Piercing

Piercing (geschichte)

Zwar gab es mit „The Gauntlet“ in San Francisco schon 1976 den ersten modernen Piercing-Shop, die Verbreitung dieser Mode beginnt aber erst in den 1980er Jahren in Kalifornien, als die Bewegung der Modern Primitives, der modernen Wilden, entstand.
Man übernahm bewusst die bei “wilden” Völkern verbreiteten Bräuche, um den eigenen Körper zu “verschönern”: Dazu gehörten vor allem die Tätowierung (Tattoos), das Piercing oder die Narbenbildung (Skarifizierung). Noch zu Beginn der 90er Jahre blieb das Piercing überwiegend auf die Punk- und Sadomaso-Szene beschränkt.
Relativ schnell wurde es aber in der westlichen Kultur “gesellschaftsfähig”. Für die jungen Leute spielt wohl auch das Zugehörigkeitsgefühl zur Piercingszene, die sich von der konservativen elterlichen Umgebung deutlich abhebt, eine nicht unwesentliche Rolle.

Piercing (engl. durchstechen) ist das Anbringen von Schmuck (oft aus Titan) an verschiedenen Stellen des menschlichen Körpers, bei dem Ringe oder Stifte (Studs, Barbells) durch die Haut und das darunter liegende Fett- oder Knorpelgewebe gezogen werden. Piercings werden heutzutage mit Venenverweilkanülen (Piercingnadel) oder Biopsie- hohlnadeln (Punching) gestochen. Eine Sonderform des Piercings, das Intimpiercing, erfreut sich bei Fans von Intimschmuck großer Beliebtheit. Diese Art des Schmucks ist vor allem bei jungen Leuten verbreitet.

Erstpiercing

Als erstes sollte man (Frau) sich genauestens über das gewünschte Piercing informieren. Dazu kann man im Freundeskreis und bei Bekannten herumfragen, was aber nicht immer die erwünschten Ergebnisse zur Folge hat. Besser und effektiver ist es jedoch eine(n) professionelle(n) Piercer(in) zu befragen. Permanent eingesetzter Körperschmuck bringt nicht immer nur Freude und ist auch nicht zu 100% risikolos. Wer gedenkt seinen Körper dauerhaft zu verändern (das tut man beim Piercen) sollte sich genauestens über die Verantwortung seinem Körper gegenüber bewusst sein. Nicht nur der Einsatz des Schmuckes birgt je nach Körperstelle mehr oder weniger große Risiken, auch das tägliche Leben wird durch Körperschmuck nachhaltig geprägt.

So ist zum Beispiel das Verletzungsrisiko bei gepiercten etwas höher als bei “noch nicht gepiercten”. Während der Verheilungszeit muss man mit mehr oder minder großen Einschränkungen des täglichen Ablaufes rechnen z.B. Badeverbot etc. Solange ein Piercing nicht verheilt ist, ist es als “offene Wunde” zu betrachten und dementsprechend sorgfältig zu behandeln.

Wenn das alles abgeklärt ist, gilt es noch folgende Dinge zu beachten: Mindestens 24h vor dem Piercen keinen Alkohol, keine schmerzstillenden Medikamente und keine Drogen zu sich nehmen. Das gilt ebenso 24h nach dem Piercen 2 bis 3 Stunden vor dem Piercen etwas Vernünftiges gegessen haben Ausreichend Flüssigkeit (kein Kaffee o.ä.) zu sich nehmen Minderjährige (Personen zwischen 16 und 18 Jahren) sollten folgendes mitbringen: Am besten einen Erziehungsberechtigten.

Wenn das nicht möglich ist dann den eigenen Ausweis eine schriftliche Einverständniserklärung (die zu piercende Stelle muss genannt werden) eine Kopie des Ausweises dessen, der die Unterschrift geleistet hat eine Telefonnummer unter der der Erziehungsberechtigte zu erreichen ist (für Rückfragen).

Piercing Heilungszeiten

Die Körperbereiche des Menschen heilen unterschiedlich. Neben individuellen Abweichungen sind auch das Alter, der Ernährungszustand und das Immunsystem des Einzelnen für die Heilung von Bedeutung.
Von wenigen Wochen bis hin zu einem Jahr – die Heilzeiten sind individuell unterschiedlich.
Augenbraue:6 – 8 WochenBauchnabel: 4 Monate – 1 JahrBrustwarze:3 – 6 MonateIntim – Frau:4 – 10 WochenIntim – Mann:4 Wochen – 6 MonateLippen:2 – 3 MonateNasenflügel:2 – 4 MonateNasenrücken:8 – 10 WochenNasenscheidewand:6 – 8 MonateOhrknorpel:4 Monate – 1 JahrOhrläppchen:6 – 8 WochenZunge:4 Wochen
Nach dem Piercen ist Sauberkeit und die richtige Pflege der gepiercten Stelle die Grundlage für eine normale Wundheilung. Ein Piercing ist während der Verheilphase (auch Epitheliarisierung genannt) eine offene Wunde und somit ein Angriffspunkt für Viren und Bakterien. Deshalb solltest Du niemals mit ungewaschenen Händen an Dein frisches und nicht abgeheiltes Piercing fassen (z.B. um es irgendwelchen Freunden oder Freundinnen stolz zu zeigen). Denke immer daran – es ist Dein Körper und eine Entzündung kann im Ernstfall zu einer Blutvergiftung führen.

Das Infektionsrisiko beim Piercing ist minimal, die Erfahrung zeigt, dass die meisten Probleme auf folgende Faktoren zurückzuführen sind:
1. Berührung mit schmutzigen Fingern, Oralkontakt oder Kontakt mit fremden Körperflüssigkeiten.
2. Unnötige Berührungen und Bewegungen der frisch gepiercten Stelle.
3. Benutzung eines Reinigungsmittels, auf das der Körper negativ reagiert.
4. Ungenügende bzw. unsachgemäße Pflege. Schmuck niemals drehen, bevor die Kruste oder Absonderungen nicht entfernt worden sind.
5. Besuch von Schwimmbädern, Solarien und Sauna vor kompletter Abheilung des Piercings.
6. Falsche Schmuckgröße (z.B. eine zu lange Banane oder zu großer Ring beim Nabelpiercing).
7. Allergische Reaktion des Körpers auf den Schmuck.
Zu beachten ist auch, dass 2-3 Tage vor und nach dem Piercen keine blutverdünnenden Medikamente eingenommen werden sollten (z.B. Aspirin/ASS ).

Piercing Schmuck im Ersteinsatz

Für den Ersteinsatz sollte in jedem Fall (wie es der Gesetzgeber verlangt) sterilisierter Schmuck verwendet werden, dessen Nickel Gehalt unter 0,05% in der Gesamtmasse liegt und biokompatibel (Körperverträglich) ist. Geeignet wären Titan, wobei Titan auch nicht gleich Titan (mehr Info unter der Rubrik Materialkunde), nickelfreier Stahl (z.B. Implantanium®), Niobium, PTFE und Gold 18kt.

Piercing Pflege ist wichtig!

Die eigentliche Pflege ist außer bei intimen und oralen Piercings in etwa gleich: Zunächst solltest du Dir gründlich die Hände waschen, wie immer bevor du den Ring oder Stecker anfasst. Trotz gründlicher Reinigung solltest du dennoch den Ring oder Stecker nur an den Kugeln anfassen. Zum Entfernen der Kruste, die sich evtl. am Schmuck abgesetzt hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
unter der Dusche mit Wasser einweichen
mit geeigneten Wunddesinfektionsmittel einsprühen (z.B. Octenisept®) und vorsichtig mit einem Wattestäbchen lösen.
Als nächstes trägst du etwas von dem Wunddesinfektionsmittels auf beide Seiten der gepiercten Stelle auf und drehe den Ring bzw. bewege den Stecker 4-5 mal hin und her, damit das Wundmittel in den Stichkanal gelangt und dort seine Wirkung entfalten kann. Reste des Mittels können mit einem sauberen Papiertuch entfernt werden. Dies sollte morgens und abends oder bei Verunreinigung wiederholt werden.

Wir empfehlen auf jeden Fall ein geeignetes Wundheilmittel zu verwenden und nicht irgendwelche Salben, Cremes (die verstopfen meist den Stichkanal), Teebeutel, Kodanspray oder Tinkturen benutzen. Vor allem aber sollte man nicht mehrere Mittel gleichzeitig verwenden. Octenisept®. ist für Piercings aller Art hervorragend geeignet, es ist problemlos anzuwenden und brennt nicht.

Das abgeheilte Piercing sollte man beim Duschen auch stets säubern, also beim Waschen etwas hin und her drehen und gründlich ausspülen, da sich im Stichkanal Schweiß und Talg absetzt. Auch ein komplett abgeheiltes Piercing muss (fast) ständig getragen werden, da sich der Stichkanal (je nach gepiercter Stelle) innerhalb von Stunden so weit verschließen kann, daß ein Wiedereinsetzten (ohne neu zu Piercen) nicht mehr möglich ist. Bei einer Entzündung solltest du auf keinen Fall einfach nur den Schmuck herausnehmen, die Entzündung könnte sich einkapseln und dadurch würde sich alles nur verschlimmern. Im Zweifelsfall ruf uns doch einfach an oder frage deinen Piercer oder Arzt (dieser sollte allerdings etwas Erfahrung mit Piercings haben).

Piercing Einige Tipps Nabelpiercing

Auf keinen Fall solltest du Gürtel mit großen Schnallen anziehen, dein Piercing wird so nur unnötig gereizt und könnte schlimmstenfalls rausgerissen werden. Ebenfalls solltest du enge Hosen, scheuernde Kleidung und Kleidung vermeiden an der dein Piercing hängen bleiben könnte (z.B. Spitzen- oder andere Kleidung mit groben Maschen). Ziehe in den ersten Wochen keine bauchfreien Sachen an, es sei denn du deckst dein Piercing mit einem Pflaster ab damit kein Dreck an das Piercing kommt.

Das Pflaster sollte allerdings öfters (ca. alle 2-3 Stunden) gewechselt werden. Wenn du mit einem Ring gepierct wurdest solltest du darauf achten das der Ring gerade bleibt – ein Röllchen aus einen Tupfer (Reinigungspad) gedreht könnte dir dabei sehr hilfreich sein.

Piercing Einige Tipps Zungenpiercing

Piercings pflegt man am besten mit einer Mundspülung z.B. HEXORAL® oder LISTERINE®. Allerdings eignet sich auch Octenisept® (nicht verschlucken!) zur Pflege. Man sollte die Pflege mit Mundspülungen allerdings auch nicht Übertreiben und damit die Mundflora zerstört. Man sollte viel mit Mineralwasser spülen welches gekühlt sein kann. Nach dem Piercen innerhalb der nächsten 48 Stunden solltest du folgendes beachten:
nicht rauchen! (Es ist ein idealer Zeitpunkt um mit dem Rauchen generell aufzuhören).
kühlen z.B. durch lutschen von Eiswürfeln (aufpassen vor Unterkühlung) oder besser spülen mit kaltem Mineralwasser, hauptsächlich um die Zungenschwellung, mit der man trotzdem für einige Tage rechnen muss, entgegenzuwirken.
gründliche Mundspülungen mit Wasser nach jedem Essen.
nichts Heißes oder Scharfes essen oder trinken.
am besten viel Mineralwasser oder kalten Kamillen Tee trinken.

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